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Beziehungen

Seine Smartwatch piepte mit einem Namen, den ich nicht kannte

Ich schenkte ihm eine Smartwatch zum Geburtstag. Sechs Monate später verriet sie eine Affäre, die ich nie für möglich gehalten hätte.

Seine Smartwatch piepte mit einem Namen, den ich nicht kannte

Ich hatte Markus die Smartwatch selbst geschenkt, zu seinem vierzigsten Geburtstag, weil sein altes Fitnessarmband nicht mehr mit seinem Handy synchronisieren wollte.

Er liebte das Ding. Er trug sie jeden Tag, sogar beim Duschen ließ er sie auf der Küchentheke aufladen, bevor er zur Arbeit fuhr.

An jenem Dienstagmorgen im März schrubbte ich gerade eine Pfanne, als der Bildschirm neben der Spüle aufleuchtete. Eine Nachrichtenvorschau blitzte über das kleine Display.

„Kann nicht aufhören, an letzte Nacht zu denken“, stand da, und darunter ein Name, den ich nicht kannte: Steffi.

Ich stand da, noch mit Seife an den Händen, und starrte auf einen fünf Zentimeter großen Bildschirm, als könnte er es sich anders überlegen und die Worte zurücknehmen.

Er tat es nicht.

Ich nahm die Uhr und scrollte, denn offenbar führt so eine Smartwatch ein hübsches kleines Archiv über alles, direkt am Handgelenk, wo man nie nach Beweisen suchen würde.

Da waren Wochen von Nachrichten. Hotelnamen. Ein Witz über sein eigenes Schnarchen, den nur jemand machen konnte, der neben ihm geschlafen hatte.

Markus kam summend aus dem Bad, ein Handtuch um die Hüfte, völlig ahnungslos, dass sein eigenes Handgelenk ihn gerade verpfiffen hatte.

Ich schrie nicht. Ich weinte auch nicht, noch nicht. Ich hielt ihm nur die Uhr hin, Bildschirm noch leuchtend, und sagte: „Wer ist Steffi.“

Sein Gesicht machte etwas, das ich nie vergessen werde, wie ein Gebäude, das langsam in sich zusammenfällt. Er griff nach Ausreden, irgendetwas von einer Kollegin, einem Witz, der aus dem Ruder lief, und dann sah er, dass ich schon nach oben gescrollt hatte, schon genug gelesen hatte.

„Sechzehn Jahre“, sagte ich. „Du hast nicht mal die Benachrichtigungen ausgeschaltet.“

Wir standen zwei Stunden lang in unserem Schlafzimmer. Er weinte mehr als ich, was es fast noch schlimmer machte, als müsste ich mich jetzt auch noch um sein schlechtes Gewissen kümmern.

Ich bat ihn, noch am selben Abend zu gehen. Nicht für immer, sagte ich mir, nur für jetzt, nur damit ich nachdenken konnte, ohne sein Rasierwasser in jedem Zimmer zu riechen.

Er ging zu seinem Bruder. Ich saß auf unserem Bett und las drei Monate Nachrichten von vorne bis hinten, weil ich genau wissen musste, wie lange ich mein Leben schon mit jemandem geteilt hatte, der eigentlich schon halb draußen war.

Steffi, wie sich herausstellte, arbeitete zwei Stockwerke über ihm. Es hatte mit einem gemeinsamen Mittagessen angefangen. Aus dem Mittagessen wurde ein festes Donnerstagstreffen. Aus dem Donnerstag wurde ein Hotel an der Autobahn, an dem ich seitdem nicht mehr vorbeifahren kann, ohne dass sich mir der Magen umdreht.

Drei Tage später konfrontierte ich ihn noch einmal, ruhiger dieses Mal, mit einem Notizblock voller Fragen, die ich mir aufgeschrieben hatte, als würde ich mich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten und nicht auf das Ende meiner Ehe.

Er beantwortete jede einzelne. Das muss ich ihm lassen. Er hat nicht wieder gelogen, jedenfalls nicht, dass ich es bemerkt hätte, obwohl das natürlich genau das ist, was jemand sagen würde, der schon sechzehn Monate lang damit durchgekommen war.

Wir sind jetzt in Paartherapie, der Art, bei der man nicht sicher ist, ob man etwas wieder aufbaut oder nur live die Obduktion dokumentiert.

Die Smartwatch liegt in einer Schublade. Er hat einmal gefragt, ob er sie wieder tragen dürfte.

Ich habe ihm gesagt, ich hätte noch nicht entschieden, ob ich es aushalte, sie an seinem Handgelenk zu sehen, ohne sie jeden einzigen Morgen zu kontrollieren.

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Namen, Orte und Details wurden verändert. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.