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Beziehungen

Die Ehe hielt vier Stunden und war von Anfang an Betrug

Vier Stunden nach der Trauung waren der Bräutigam und sein Cousin verschwunden – zusammen mit jedem Umschlag vom Geschenktisch.

Die Ehe hielt vier Stunden und war von Anfang an Betrug

Ich heiße Renate Fischer, bin achtunddreißig und organisiere seit elf Jahren Hochzeiten rund um Dresden. Ich dachte, ich hätte schon jede Art von schiefgelaufener Hochzeit gesehen, bis ich im vergangenen März die Hochzeit von Katharina und Kai betreute.

Katharinas Vater hatte zwei Jahre gespart, um ihr diesen Tag zu schenken. Wir nutzten eine gemietete Scheune am Stadtrand, Lichterketten, fast hundertvierzig Gäste, und einen Geschenktisch am Eingang, der sich schnell mit Karten und Umschlägen füllte, so wie es in großen Familien eben üblich ist.

Den ganzen Abend über fiel mir Kais Cousin Fabian auf, der sich in der Nähe dieses Tisches aufhielt, Getränke nachschenkte und mit den älteren Verwandten plauderte – der Typ Mensch, den jeder einfach für hilfsbereit hält. Nach etwa zwei Stunden fingen Kai und Fabian an, gemeinsam „frische Luft schnappen“ zu gehen, immer ein paar Minuten, nachdem jemand einen Umschlag abgegeben hatte.

Bis zur dritten Stunde hatte ich vier solche Ausflüge gezählt und meiner Assistentin gegenüber scherzhaft bemerkt, es sehe aus, als würden sie den Laden ausbaldowern. Wir lachten darüber und kümmerten uns weiter um das Timing der Reden.

Nach vier Stunden, die Tanzfläche noch voll, ging ich zum Geschenktisch, um Stifte nachzulegen. Die Hälfte der Karten war verschwunden. Kai und Fabian ebenfalls. Eine Seitentür bei der Küche war mit einem Klappstuhl offen gehalten worden, und beide Autos waren vom Parkplatz verschwunden.

Ich sagte es Katharinas Mutter leise, und wir verbrachten den Rest des Abends damit, so zu tun, als wäre alles in Ordnung, während die Gäste weitertanzten.

Katharina rief mich am folgenden Montag an und brachte kaum ein Wort heraus. Sie hatte bereits die Aufhebung der Ehe beantragt. Kai reagierte auf nichts mehr. Fabians Nummer war abgeschaltet, als hätte es sie nie gegeben.

Ein Kriminalbeamter, mit dem sie später sprach, erzählte ihr, das sei nicht Kais erstes Mal gewesen, nur unter einem anderen Namen, in einem anderen Bundesland. Er und Fabian hatten dasselbe Muster schon zweimal durchgezogen, immer in Orten mit großen Gästelisten und der Tradition großzügiger Geldgeschenke, und waren immer innerhalb von Stunden nach der Trauung verschwunden.

Er hatte drei Jahre gebraucht, um genau bei Katharina zu landen, war über ein Jahr mit ihr zusammen gewesen, hatte die ganze Großfamilie kennengelernt und genau herausgefunden, wie großzügig sie an diesem Tag sein würden. Die Hochzeit selbst war nur noch der Zahltag.

Katharina musste zweihundert Leute anrufen, um zu erklären, was passiert war, und Rechnungen von Dienstleistern begleichen, die formal immer noch auf sie liefen. Ich arbeite heute noch mit ihrer Familie zusammen, an der Hochzeit ihrer Cousine im nächsten Frühjahr, und ich empfehle inzwischen jedem Kunden eine abschließbare Box statt eines offenen Tisches, egal ob danach gefragt wird oder nicht.

Vier Stunden lang war Katharina jemandes Ehefrau – lange genug, dass daraus die Geschichte wurde, die sich seither jede Braut in dieser Familie vor der eigenen Hochzeit anhören muss.

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Namen, Orte und Details wurden verändert. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.