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Beziehungen

Der Investmentfonds meines Schwagers war nie echt

Mein Schwager versprach zwölf Prozent Rendite auf einen Familienfonds. Eine kurze Suche zeigte, dass er nie registriert war – und nie echt.

Der Investmentfonds meines Schwagers war nie echt

Mein Schwager Gregor präsentierte meinem Mann und mir bei einem Grillfest in Lindenau einen privaten Kreditfonds, mit einer stabilen Rendite von zwölf Prozent – eine Zahl, die mich eigentlich misstrauischer als begeistert hätte machen sollen.

Er hatte offenbar schon drei andere Verwandte überzeugt, darunter seine eigenen Eltern, und auf diesem Grillfest redete jeder über seine bisherigen Renditen, als wäre das das Normalste der Welt, was die Sache sicherer wirken ließ, als sie war.

Mein Mann Thomas wollte 18.000 € aus einem Erbe investieren, das ihm sein Vater zwei Jahre zuvor hinterlassen hatte. Ich war skeptisch, aber Gregor zeigte uns Kontoauszüge, offiziell aussehend, mit Logo und allem, die ein stetiges monatliches Wachstum für die Familienmitglieder zeigten, die schon investiert hatten.

Wir stiegen im März ein. Die ersten beiden Ausschüttungen kamen pünktlich, kleine Beträge, die sich wie ein Beweis dafür anfühlten, dass alles seriös war – was, wie ich heute weiß, genau der Sinn dieser ersten Phase ist.

Im vierten Monat kamen die Zahlungen spät, dann gar nicht mehr, immer mit einer Erklärung: ein vorübergehendes Liquiditätsproblem, eine Verzögerung bei der Bank, ein Fehler, den Gregor jede Woche aufs Neue bis zur nächsten zu klären versprach.

Ich stellte Fragen, die Thomas seinem eigenen Bruder nicht stellen wollte. Wo genau wurde das Geld verliehen, an wen, unter welcher rechtlichen Struktur eigentlich. Gregors Antworten wurden mit jedem Mal vager, immer irgendeine Variante von „vertrau mir, Familie lügt sich nicht an“.

Ich fand schließlich heraus, dass der Fonds nirgendwo registriert war, nicht bei der BaFin, nicht als Kreditfonds, nicht als irgendetwas. Ich brauchte dafür etwa zwanzig Minuten im Internet – Informationen, die Gregor offenbar hoffte, dass keiner von uns je selbst nachschauen würde.

Als ich das Thomas zeigte, wollte er es über seinen eigenen Bruder nicht glauben. Wir stellten Gregor gemeinsam zur Rede, bei ihm zu Hause, die Auszüge und Suchergebnisse ausgedruckt zwischen uns auf dem Tisch.

Er weinte, tatsächlich, und gab zu, dass der Fonds nie irgendjemandem Geld verliehen hatte. Frühe Investoren aus der Familie wurden mit dem Geld neuerer Investoren aus der Familie bezahlt – das klassische Beispiel für genau das, wovon wir beide schon gehört hatten, dass es Fremden passiert, nie ahnend, dass es ausgerechnet von jemandem betrieben würde, der unsere Kinder seine Nichte und seinen Neffen nannte.

Rund 200.000 € von fünf Familienmitgliedern waren in Gregors Fonds geflossen. Fast nichts davon ließ sich zurückholen. Gregor hatte einen erheblichen Teil bereits für seine eigene Hypothek und ein Boot ausgegeben, das er, unglaublich genug, zu dem Zeitpunkt, als wir es herausfanden, immer noch besaß.

Wir haben als Familie keine Anzeige erstattet, vor allem wegen seiner betagten Eltern, obwohl ich diese Entscheidung bis heute nicht ganz verstehe. Thomas’ Eltern verloren ihr Rentenpolster. Wir verloren Thomas’ gesamtes Erbe von seinem Vater.

Grillfeste in Lindenau gibt es nicht mehr. Gregor ist letztes Jahr in ein anderes Bundesland gezogen. Thomas hat seitdem nicht mehr mit ihm gesprochen, und ich glaube nicht, dass er es eilig hat, das zu ändern.

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Namen, Orte und Details wurden verändert. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.