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Beziehungen

Mein Blind Date wurde zu etwas viel Seltsamerem

Ein aufleuchtender Name auf dem Handy meines Blind Dates enthüllte eine Verbindung zu meiner Schwester, die niemand von uns für möglich hielt.

Mein Blind Date wurde zu etwas viel Seltsamerem

Nadine schwor, Patrick sei „ein toller Typ, nur etwas still“, die Art Beschreibung bei einem Blind Date, die eigentlich immer eine Warnung sein sollte.

Wir trafen uns in einem mittelpreisigen Italiener in der Innenstadt von Düsseldorf, die neutrale Wahl, die man trifft, wenn man jemanden noch nicht gut genug kennt, um etwas Persönlicheres auszusuchen. Patrick kam zwölf Minuten zu spät, ohne Entschuldigung, und verbrachte die ersten zehn Minuten des Dates mit dem Handy, um „eine Sache schnell zu erledigen“.

Das Gespräch, als es endlich begann, war nicht schlecht. Er war ganz witzig, stellte normale Fragen, es wirkte wie ein solider, unauffälliger Abend. Ich erinnere mich, dass ich ihn für eine Sechs von zehn hielt, die Art Date, die man nicht bereut, aber auch nicht unbedingt wiederholt.

Dann leuchtete sein Handy mit einem Namen auf dem Sperrbildschirm auf, gerade so gedreht, dass ich ihn ohne Absicht sah: „Steffi 3“.

An sich nichts Belastendes. Viele Leute haben Exfreundinnen oder Freundinnen unter alten Namen gespeichert. Aber etwas an dieser Zahl weckte eine Erinnerung, die ich erst während des Nudelgangs genau einordnen konnte.

Meine jüngere Schwester heißt Stefanie. Sie hatte ein Jahr zuvor jemanden gedatet, der sie nach vier Monaten vollständig ghostete, verschwand mitten in der Beziehung, ohne Erklärung, ohne Abschluss, nichts. Sie hatte danach eine Woche durchgehend bei mir auf dem Sofa geweint. Sie hatte mir nie ein Foto gezeigt, weil sie ihn hauptsächlich über eine Dating-App kennengelernt und aus Kummer alles gelöscht hatte, bevor ich sein Gesicht je klar gesehen hatte.

Ich fragte Patrick, vorsichtig, ob er jemals eine Stefanie gedatet habe.

Er wurde ganz still, fragte dann, warum ich das wissen wolle, in einem Ton, der die Frage schon beantwortete, bevor er ein weiteres Wort sagte.

Ich öffnete ein altes Foto, das meine Schwester mir ganz am Anfang ihrer Geschichte mit ihm geschickt hatte, eines, von dem ich vergessen hatte, dass ich es noch besaß. Derselbe Kiefer, dasselbe leicht schiefe Lächeln. Es war er.

Ich schrie nicht. Ich sagte ihm nur ganz ruhig, Stefanie sei meine Schwester, und ich hoffe, die Erklärung, die er ihr nie gegeben habe, sei es wert gewesen, dass sie ein Jahr lang damit herumlaufen musste.

Er leugnete es nicht. Er wurde nur still, zahlte für uns beide, ohne dass ich darum gebeten hätte, was sich wie die am wenigsten hilfreiche Entschuldigung überhaupt anfühlte, und ging noch vor dem Dessert.

Ich rief Nadine aus dem Parkhaus an, halb lachend, halb fassungslos, und sie war entsetzt, auf eine Art, die klarmachte, dass sie wirklich keine Ahnung gehabt hatte. Sie hatte Patrick über einen Kollegen kennengelernt, drei Ecken entfernt von jedem, der die Verbindung hätte erkennen können.

Ich erzählte Stefanie noch am selben Abend alles am Telefon, wir schwankten zwischen Fassungslosigkeit und Kichern über die schiere Unwahrscheinlichkeit. Sie sagte, es gebe ihr eine seltsame Art von Abschluss, wenigstens zu wissen, dass er nicht vom Erdboden verschwunden war, sondern sich nur als Blind Date für jemand anderen recycelt hatte.

Nadine entschuldigt sich immer noch jedes Mal, wenn die Geschichte hochkommt, obwohl sie inzwischen unsere liebste Party-Anekdote geworden ist. Patrick ist, soweit ich weiß, in keinem unserer Leben mehr aufgetaucht, was ehrlich gesagt für alle Beteiligten das glücklichste Ende sein könnte.

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Namen, Orte und Details wurden verändert. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.