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Beziehungen

Meine Freundin kopierte mein ganzes Leben, Stück für Stück

Erst das Tattoo, dann die Küchenfarbe, dann der Freund. Als sich meine Freundin sogar an meinem Verlobungsort verlobte, wurde mir alles klar.

Meine Freundin kopierte mein ganzes Leben, Stück für Stück

Bianca und ich lernten uns vor vier Jahren in einem Töpferkurs kennen, damals fand ich es noch schmeichelhaft, dass jemand alles mochte, was ich mochte.

Es fing klein an. Ich ließ mir eine kleine Welle aufs Handgelenk tätowieren; zwei Monate später hatte sie dieselbe Welle, etwas größer, am Knöchel. Ich sagte, das sei bestimmt Zufall, und sie lachte zustimmend, obwohl ihr Lachen etwas Einstudiertes hatte.

Dann strich ich meine Küche in einem ganz bestimmten Salbeigrün, das ich mir wochenlang ausgesucht hatte. Innerhalb eines Monats strich sie ihre Wohnung im selben Ton, sogar mit derselben Farbmarke, die sie „zufällig“ im Baumarkt entdeckt habe.

Ich begann, jemand Neues zu daten, einen ruhigen Grafikdesigner mit Locken namens Julian. Drei Monate später datete Bianca einen ruhigen Mann mit Locken, der ebenfalls in der Werbebranche arbeitete, bei einer anderen Firma, aber mit einem unheimlich ähnlichen Jobtitel. Sie postete ihr erstes Date im selben kleinen italienischen Restaurant, das ich Monate zuvor beim dritten Date mit Julian in einem Post gefeiert hatte.

Ich fühlte mich weniger geschmeichelt und zunehmend unwohl, als würde ich beobachten, wie sich jemand eine Version von mir aus Einzelteilen zusammenbaut.

Der Moment, der alles offenlegte, war meine Verlobung. Julian machte mir einen Antrag am Ferienhaus am Chiemsee, das meine Familie schon drei Sommer lang gemietet hatte, ein Ort mit ganz besonderer Bedeutung für uns. Ich postete drei sorgfältig ausgewählte, glückliche Fotos.

Vier Monate später verlobte sich Bianca, an einem Ferienhaus am Chiemsee. Ein anderes Haus, aber nah genug, dass ich den Bootssteg auf ihren Fotos sofort wiedererkannte, weil ich hundert Meter weiter jahrelang von einem fast identischen ins Wasser gesprungen war.

Ich sprach sie endlich an, erst behutsam, dann weniger, als sie es wieder als Zufall abtat. Sie wurde schnell defensiv, warf mir vor, paranoid zu sein, sagte, nicht alles drehe sich um mich, was mir seltsam vorkam, gesagt von jemandem, der gerade den Ort meines eigenen Antrags nachgebaut hatte.

Wir haben die Freundschaft nicht ausdrücklich beendet. Sie verblasste einfach nach diesem Gespräch, so wie es passiert, wenn eine Person aufhört anzurufen und die andere aufhört, ihr nachzulaufen.

Fast ein Jahr später erzählte mir eine gemeinsame Bekannte, Bianca erzähle inzwischen eine leicht umgeschriebene Version davon, wie wir uns kennengelernt hätten, in der sie es gewesen sei, die mich zum Töpfern gebracht habe, nicht umgekehrt. Kleines Detail. Falsches Detail. Passend zu allem anderen.

Ich glaube nicht, dass Bianca in einem dramatischen Sinn eine Bösewichtin ist. Ich glaube, sie wusste über Jahre nicht wirklich, wer sie ohne eine Vorlage in der Nähe war, und ich war zufällig die ausführlichste verfügbare Vorlage.

Es beunruhigt mich immer noch manchmal, wenn ihre Fotos in gemeinsamen Feeds auftauchen, ein Leben, gebaut aus den Umrissen meines eigenen. Ich habe mittlerweile gelernt, es nicht mehr so persönlich zu nehmen. Meistens.

Ich habe meine Küche letzten Frühling trotzdem umgestrichen. Ein tiefes Terrakotta dieses Mal. Ich habe nicht nachgeschaut, ob sie schon nachgestrichen hat, und ehrlich gesagt bemühe ich mich sehr, es nicht zu tun.

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Namen, Orte und Details wurden verändert. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.