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Beziehungen

Unsere Tante plünderte den Treuhandfonds unseres Erbes

Meine Tante verwaltete das Erbe unserer Großmutter – und verzögerte es über ein Jahr. Die Kontobewegung zeigte, wohin das Geld wirklich ging.

Unsere Tante plünderte den Treuhandfonds unseres Erbes

Oma Ruth starb, als ich vierundzwanzig war, und hinterließ ein Treuhandkonto, das vierzigtausend Euro gleichmäßig zwischen mir und meinen zwei Cousins aufteilen sollte, sobald wir jeweils fünfundzwanzig wurden.

Meine Tante Bettina, Omas jüngste Tochter, wurde als Treuhänderin eingesetzt, hauptsächlich, weil sie in Lindenwald am nächsten bei Oma gewohnt hatte, in ihren letzten Jahren, und laut dem Rest der Familie immer gut mit Zahlen war.

Ich wurde acht Monate nach Omas Tod fünfundzwanzig und fragte Bettina nach der Auszahlung. Sie sagte, der Nachlass werde noch geregelt, das brauche seine Zeit, ich solle geduldig sein.

Ich war über ein Jahr geduldig. Mein Cousin Jonas wurde etwa zur gleichen Zeit fünfundzwanzig und bekam dieselbe Antwort. Wir verglichen unsere Notizen und stellten fest, dass Bettina uns beiden über ein Jahr lang dasselbe vage Zeug erzählt hatte, ohne ein einziges konkretes Update.

Ich bat schließlich direkt und schriftlich um Einsicht in die Unterlagen. Bettina zog es weitere zwei Monate hinaus, bevor sie endlich eine Teilabrechnung schickte, die einen Kontostand von elftausend Euro auswies, nicht vierzigtausend.

Als ich fragte, wo die restlichen neunundzwanzigtausend Euro hin seien, sagte sie, es habe Nachlasskosten und Verwaltungsgebühren gegeben, die stärker als erwartet ins Kapital gefressen hätten. Die Rechnung ging bei einem Konto dieser Größe überhaupt nicht auf.

Meine Cousine Sofia, die dritte Begünstigte, arbeitet im Rechnungswesen, und sie forderte die vollständige Kontobewegung, jede einzelne Buchung, keine Zusammenfassungen. Bettina weigerte sich zunächst, willigte dann widerwillig ein, nachdem Sofia das Wort Anwalt fallen ließ.

Die Kontobewegung erzählte eine andere Geschichte. Regelmäßige Abhebungen, mehrere tausend Euro auf einmal, beginnend nur vier Monate nach Omas Tod, mit Buchungstexten wie „Küchenrenovierung“ und „Fuerteventura, Familienreise“.

Bettina hatte ihre eigene Familie auf diese Reise nach Fuerteventura mitgenommen. Keiner von uns anderen war eingeladen oder auch nur informiert worden, zum damaligen Zeitpunkt.

Wir engagierten gemeinsam eine Nachlassanwältin, teilten uns die Kosten zu dritt. Bettinas Anwalt versuchte zu argumentieren, der Ermessensspielraum der Treuhänderin decke solche Ausgaben ab. Unsere Anwältin war deutlich: Ermessensspielraum deckt nicht die einseitige Finanzierung des eigenen Urlaubs aus dem Erbe der eigenen Nichten und Neffen.

Es dauerte weitere zehn Monate und wachsende Anwaltskosten auf beiden Seiten, bis Bettina zustimmte, das noch Wiederherstellbare zurückzuzahlen – etwa neunzehntausend der fehlenden neunundzwanzigtausend Euro, aus Ersparnissen und einem Kredit gegen ihr eigenes Haus.

Familientreffen sind seitdem kleiner. Bettina kommt nicht mehr zu denen, die der Rest von uns organisiert, und ehrlich gesagt schicken wir auch keine Einladungen mehr.

Ich denke manchmal an Oma Ruth, wie sie immer sagte, Geld verändere Menschen weniger, als es offenlege, wer sie schon vorher waren. Ich habe diesen Satz erst richtig verstanden, als ich meine eigene Tante einen Urlaub über die Enkelkinder ihrer Schwester stellen sah.

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Namen, Orte und Details wurden verändert. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.