Ich fotografierte den Dienstplan, um Lohnbetrug zu beweisen
Meine Filialleiterin kürzte meine Stunden jede Woche ein bisschen. Ich fotografierte den Dienstplan sechs Wochen lang und bewies den Betrug.
Ich arbeitete Teilzeit in einem Frisch & Schnell-Markt in Dortmund, während ich meinen Fachhochschulabschluss machte, meistens Spätschichten und Wochenendvormittage, und meine Filialleiterin, Sabine Vogler, hatte die Angewohnheit, mich zehn bis fünfzehn Minuten über meine tatsächlich angegebene Verfügbarkeit hinaus einzuplanen, und wirkte dann jedes Mal leicht überrascht, wenn ich es ansprach.
Zuerst dachte ich wirklich, es sei nur eine schlampige Planungssoftware, die Art kleiner Schreibfehler, die es in jedem Einzelhandelsjob irgendwo zu geben scheint. Dann fiel mir auf, dass meine Gehaltsabrechnungen nie ganz zu den Stunden passten, von denen ich sicher war, dass ich sie tatsächlich gearbeitet hatte, immer ein bisschen zu wenig, immer als „Rundung“ erklärt, wenn ich im Büro nachfragte.
Ich fing an, jede Woche ein Foto vom ausgehängten Wochendienstplan auf meinem Handy zu machen, den physischen, der im Pausenraum hing, und ich führte meine eigene, einfache handschriftliche Notiz darüber, wann ich tatsächlich für jede Schicht ein- und ausgestempelt hatte, komplett getrennt vom System des Marktes.
Nach etwa sechs Wochen, in denen ich das still gemacht hatte, ohne es jemandem zu erzählen, hatte ich ein klares und konsistentes Muster: Fast jede Schicht, die ich arbeitete, wurde in den offiziellen Aufzeichnungen des Marktes um zehn bis fünfzehn Minuten gekürzt, verglichen mit dem, was ich tatsächlich gearbeitet und was auf demselben Dienstplan gestanden hatte.
Diese Art von Geld war wichtiger, als man bei einem Teilzeitjob im Einzelhandel wahrscheinlich annehmen würde. Zehn oder fünfzehn Minuten pro Schicht klingen nicht nach viel, bis man sie über ein ganzes Semester zusammenrechnet, und ich musste jede Gehaltsabrechnung ohnehin schon strecken, um Bücher und Benzingeld für die Fahrt zur Hochschule zu decken.
Ich sprach das zuerst direkt mit Sabine an, ruhig und ohne ihr etwas Konkretes vorzuwerfen, und zeigte ihr meine handschriftlichen Notizen neben einem Ausdruck des Dienstplans einer bestimmten Woche. Sie sagte, das Zeiterfassungssystem gleiche Pausen automatisch aus und alles würde sich über die Zeit ausgleichen. Wenn man sich meine Zahlen ansah, tat es das eindeutig nicht.
Als sich nach zwei weiteren Gehaltsabrechnungen, die genauso aussahen wie zuvor, tatsächlich nichts änderte, reichte ich eine Lohnbeschwerde bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls ein und legte meine Fotos vom Dienstplan zusammen mit meinem persönlichen, datierten Ein- und Ausstempel-Protokoll als Belege bei.
Ein Prüfer meldete sich innerhalb einiger Wochen direkt im Markt, und es stellte sich heraus, dass ich nicht die einzige Teilzeitkraft war, deren Stunden auf die gleiche Weise still gekürzt worden waren, manche von ihnen seit über einem Jahr, ohne das Muster je selbst zu bemerken.
Die Prüfung endete schließlich mit einer Nachzahlung an mich und drei Kolleginnen, die auf die gleiche Weise betroffen waren, und der Markt musste auf ein digitales Stempelsystem umsteigen, das die Mitarbeiter tatsächlich selbst einsehen und in Echtzeit förmlich anfechten konnten, wenn etwas nicht stimmte.
Sabine hat sich nie wirklich direkt bei mir entschuldigt, nicht mit ausdrücklichen Worten, aber sie hat aufgehört, irgendjemandes Stunden zu runden, nachdem diese Prüfung abgeschlossen war. Ich habe die alten Fotos immer noch auf meinem Handy gespeichert, nur zur Sicherheit, obwohl ich sie seitdem nicht mehr gebraucht habe.
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