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Rache-Geschichten

Meine alte Chefin bewarb sich bei mir – zwei Jahre später

Eine Filialleiterin schiebt ihr die Schuld zu. Zwei Jahre später entscheidet die ehemalige Mitarbeiterin über ihre Bewerbung.

Meine alte Chefin bewarb sich bei mir – zwei Jahre später

Vor drei Jahren war ich Schichtleiterin in einem Einrichtungshaus vor den Toren von Dortmund, fünfundvierzig Stunden die Woche für kaum mehr als den Mindestlohn, weil mir der Job damals tatsächlich noch Spaß machte. Meine Filialleiterin, Petra, hatte die Angewohnheit, sich jeden Erfolg selbst ans Revers zu heften und für jeden Fehler jemand anderen zu finden. Als ein Planungsfehler uns am umsatzstärksten Wochenende des Jahres unterbesetzt ließ – ein Fehler, den Petra selbst gemacht hatte, indem sie meinen ursprünglichen Dienstplan überschrieb, ohne mich zu informieren – stand sie vor den Regionalleitern und sagte, das sei mein Fehler gewesen.

Ich bekam die Beförderung zur stellvertretenden Filialleiterin in diesem Quartal nicht. Petra bekam ein nettes Lob aus der Zentrale dafür, dass sie „die Situation schnell in den Griff bekommen“ habe. Innerhalb von vier Monaten hatte ich einen neuen Job gefunden, teils weil ich es nicht ertragen konnte, ihr dabei zuzusehen, wie sie sich mit einer Kompetenz schmückte, die sie nie besessen hatte, teils weil ich einfach irgendwo sein musste, wo Petra nicht war.

In den folgenden zwei Jahren arbeitete ich mich bei einer anderen Handelskette hoch, erst wieder als Schichtleiterin, dann als stellvertretende Filialleiterin, und schließlich als Personalverantwortliche für unser Regionalbüro, zuständig für jede Führungskräfte-Bewerbung, die bei uns einging. Zwei Jahre sind eine lange Zeit. Lang genug, dass ich fast völlig aufgehört hatte, an Petra zu denken.

Dann landete ihr Lebenslauf in meinem Postfach, Bewerbung für die Stelle als stellvertretende Bezirksleiterin. Dasselbe makellose Lächeln auf dem Bewerbungsfoto. Dieselbe Firma, bei der wir früher zusammengearbeitet hatten, aufgeführt als ihre letzte und höchste Position. Als Referenz hatte sie natürlich mich angegeben, unter meinem alten Titel – offenbar ohne zu wissen, oder ohne dass es sie interessierte, wer auf dieser Seite inzwischen über die Einstellungen entschied.

Ich sabotierte sie nicht. Musste ich gar nicht. Ich beantwortete die Referenzanfrage einfach ehrlich, schriftlich, bis ins Detail, so wie es eine gute Personalverantwortliche eben tut.

Ich schrieb über ihre starken Umgangsformen mit Kunden. Ich schrieb über ihren gepflegten Auftritt. Und ich schrieb, sachlich und ohne jede Spur persönlicher Voreingenommenheit, über den konkreten Vorfall mit dem Dienstplan vor drei Jahren – einschließlich des Teils, in dem sie den Dienstplan einer anderen Mitarbeiterin ohne Rücksprache überschrieben und den daraus entstandenen Personalengpass gegenüber der Geschäftsführung als individuelles Versagen dieser Mitarbeiterin dargestellt hatte. Ich hängte die originale E-Mail-Kette an, die immer noch in meinem alten Postfach lag, samt Zeitstempeln.

Ich habe nie erfahren, ob sie die Stelle bekommen hat. Ich weiß aber, dass sich die Personalerin bei mir für eine „ungewöhnlich gründliche“ Referenz bedankte und dass eine gemeinsame ehemalige Kollegin ein paar Wochen später erwähnte, Petra sei „diesmal wohl doch nicht die richtige Wahl“ gewesen.

Ich habe kein einziges Wort gelogen. Ich habe nicht einmal etwas dazu kommentiert. Ich durfte einfach endlich diejenige sein, die den Stift in der Hand hielt – zwei Jahre und ein sehr geduldiges Postfach später.

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Namen, Orte und Details wurden verändert. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.