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Rache-Geschichten

Die Ex meines Bruders wollte ihre Sachen zurück. Wir haben gepackt.

Nach der Trennung verlangt die betrügende Ex ihre Sachen zurück – die Antwort beim Packen hat es in sich.

Die Ex meines Bruders wollte ihre Sachen zurück. Wir haben gepackt.

Mein Bruder Markus kam vor vier Monaten von einer Dienstreise heim und fand die Schlösser ausgetauscht und die Hälfte seiner Sachen schon in Müllsäcken auf dem Bürgersteig. Seine Freundin seit drei Jahren, Steffi, hatte sich den ganzen Frühling über mit ihrem Spinning-Trainer getroffen, und weil die Wohnung auf ihren Namen lief, verlor Markus in einem einzigen Nachmittag den Mietvertrag, das Sofa, das er selbst bezahlt hatte, und so ziemlich seine gesamte Würde.

Er zog mit zwei Sporttaschen und einem Ladekabel in mein Gästezimmer in Leipzig, mit einem Gesichtsausdruck, den ich seit dem Tag nicht mehr gesehen hatte, an dem unser Vater uns als Kinder verlassen hat. Wochenlang sprach er kaum darüber, kam von der Arbeit heim, aß im Stehen an der Küchenzeile und verschwand vor neun Uhr im Gästezimmer. Ich drängte ihn nicht. Manche Dinge muss ein Mensch einfach eine Weile mit sich selbst ausmachen.

Dann, aus dem Nichts, schrieb Steffi ihm eine Liste. Vierzehn Gegenstände, noch in „seiner“ alten Wohnung, die sie bis Freitag verschwunden haben wollte – seine Hoodies, sein Gaming-Stuhl, die alte Angelbox von unserem Großvater, und, seltsamerweise, drei ihrer eigenen T-Shirts, die sich in seine Wäsche verirrt hatten.

„Ich will auch alles von mir zurück“, fügte sie hinzu, als wäre sie die Geschädigte. „Und bitte pack es dieses Mal ordentlich ein, du faltest sowieso immer alles falsch.“

Markus wollte einfach eine Kiste vor ihre Tür stellen und gehen. Ich sagte ihm, er solle mich beim Packen helfen lassen.

Wir legten ihre drei T-Shirts flach auf den Boden der Kiste, eines davon ihre Lieblingsbluse in Cremeweiß. Darunter schmuggelte ich eine Flasche von ihrem teuren Gesichtsöl, den Deckel gerade so locker, dass er über die zwei Stunden Fahrt in einem warmen Lieferwagen ganz langsam und stetig auslaufen würde. Irgendwo in der Mitte der Kiste ließen wir einen ausgepackten Einwegrasierer zwischen dem Stoff verschwinden, genau dort, wo eine Hand beim Hineingreifen ihn nicht erwarten würde.

Die Jacke kam als Letztes hinein. Es war ein Designerstück, mit dem sie bei jedem Abendessen angegeben hatte, kamelfarben, echte Wolle. Markus nahm einen Permanentmarker und zog ganz vorsichtig, ganz leicht, eine Linie an der Innennaht und der Unterseite eines Ärmels entlang – nirgendwo, wo sie es am Bügel sehen würde, aber überall, wo sie es merken würde, sobald sie die Jacke im Regen oder unter hellem Licht trug.

Wir klebten die Kiste zu, schrieben ihren Namen in meiner ordentlichsten Handschrift darauf und ließen sie per Kurierdienst liefern, damit es keine Konfrontation gab, keine Szene, nichts, wofür man Markus hätte verantwortlich machen können. Nur eine Kiste, „ordentlich“ gepackt, genau wie gewünscht.

Steffi hat sich danach nie wieder gemeldet, und Markus schwört, er habe nichts gemacht – technisch gesehen hat er recht, denn ich war’s. Aber jedes Mal, wenn ich eine Frau in einer cremeweißen Bluse sehe, denke ich an Ölflecken, die erst nach drei Waschgängen zugeben, dass sie da sind.

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Namen, Orte und Details wurden verändert. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.