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Rache-Geschichten

Sie wollte das Sofa nach sechs Monaten Nutzung zurückgeben

Eine Kundin will ihre Couch nach sechs Monaten Nutzung zurückgeben. Die neue Rückgabepolitik des Möbelhauses hat andere Pläne.

Sie wollte das Sofa nach sechs Monaten Nutzung zurückgeben

Ich leitete die Möbelrückgabe in einem Möbelhaus in Dortmund, kurz nachdem die Zentrale eine strengere Dreißig-Tage-Regel eingeführt hatte – nach Jahren, in denen Leute Möbel zurückgebracht hatten, die sie sichtlich monatelang benutzt hatten.

Eine Frau kam mit den Unterlagen zu einer Couch, die sie laut Kassenbon genau sechs Monate und zwei Wochen vorher gekauft hatte, und wollte eine volle Rückerstattung, weil sie „ihre Meinung zur Farbe geändert“ hatte.

Ich erklärte ihr die neue Regelung, die seit vier Monaten an jedem Eingang hing und auf jedem Kassenbon stand: Möbelrückgaben waren jetzt auf dreißig Tage begrenzt, genau wegen solcher Fälle.

„Das ist nicht fair“, sagte sie. „Ich konnte hier immer zurückgeben, wann ich wollte.“

„Das war die alte Regelung“, sagte ich. „Die neue gilt seit dem Frühjahr, und sie galt die ganze Zeit, in der Sie diese Couch schon besaßen.“

Sie bat um eine Ausnahme, erwähnte, dass sie eine treue Kundin sei, zählte ein paar andere Einkäufe der letzten Jahre auf – nichts davon änderte etwas an einer Regel, die genau gegen dieses Muster geschaffen worden war.

Ich bot ihr an, was möglich war: eine Beratung mit unserem Reparaturpartner, falls tatsächlich ein Defekt vorlag, oder die Aufnahme in unser Gebrauchtmöbel-Programm, wenn sie die Couch wirklich loswerden wollte – das hätte ihr wenigstens über einen Weiterverkauf etwas Geld zurückgebracht.

Sie lehnte beides ab, bestand darauf, dass „ich hab’s mir anders überlegt“ unter jeder vernünftigen Regel gelten müsse, und wollte jemanden über mir sprechen.

Mein Regionalleiter, der diese Woche zufällig für einen anderen Termin im Haus war, stand in der Nähe und schaltete sich selbst ein.

Er bestätigte alles, was ich gesagt hatte, und fügte hinzu, dass die neue Regel direkt aus Zahlen entstanden war: Möbelrückgaben nach neunzig Tagen sichtbarer Nutzung hatten die Firma jedes Jahr Millionen gekostet – letztlich bezahlt von den Kunden, die ehrlich und pünktlich zurückgaben.

„Das passiert also, weil andere Leute es kaputt gemacht haben“, sagte sie, irgendwo zwischen Vorwurf und Einsicht.

„Es passiert, weil Regeln für Muster geschrieben werden, nicht für Einzelfälle“, sagte er. „Aber der Einzelne muss trotzdem in dem Muster leben, das vor ihm entstanden ist.“

Sie ging frustriert, immer noch ohne Rückerstattung, nahm aber die Unterlagen für das Gebrauchtmöbel-Programm mit, worauf unser Team eine Woche später nachfasste.

Die Couch verkaufte sich über das Programm etwa einen Monat später zu einem fairen Gebrauchtpreis – für sie am Ende deutlich näher an einer teilweisen Rückerstattung als an den null Euro, die sie bekommen hätte, wenn sie einfach wütend gegangen wäre.

Sie rief später an, nicht um sich zu beschweren, sondern um zu fragen, ob es weitere Sachen gäbe, die für dasselbe Programm in Frage kämen – denn offenbar ging es bei den sechs Monaten mit der Couch am Ende doch nicht um die Farbe, sondern darum, aus Gründen, die sie nie erwähnt hatte, Geld zurückzubekommen.

Wir halfen ihr, in den folgenden Monaten noch zwei weitere Stücke einzustellen.

Ich denke manchmal an dieses Gespräch zurück – wie eine Regel, die sich im Moment kalt und starr anfühlte, am Ende genau das war, was ihr wirklich zu ihrem Geld verholfen hat, nur durch eine Tür, von der sie nicht wusste, dass sie offenstand, bis die, die sie wollte, verschlossen blieb.

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